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Diggin story in HHV mag (GER)

DEXTER
Produzent, DJ, Rapper
THE STRAWBERRY ALARM CLOCK
»INCENCE & PEPPERMINTS«
1968 UNI RECORDS


Diggen ist dann am besten, wenn man in einer fremden Stadt ist. Noch besser in einer fremden
Stadt in einem anderen Land. So wie an diesem schönen Herbstsamstag in Wien: Total verkatert nach unserem Vorabendgig im Wiener »Luftbad« suchten Rufflow und Achim von den Demograffics sowie Ra-B (unser »Fremdenführer«) und ich den Plattenladen »Record Shack« im fünften Bezirk auf, bekannt für seine erlesene Auswahl an Funk, Jazz und Northern Soul auf engstem Raum. Fünf Stunden später verließen alle glücklich und zufrieden den Laden in Richtung Unterkunft bei Ra-B. Natürlich verbrachten wir die ganze Nacht damit, uns gegenseitig unsere ausgegrabenen Schätze vorzuführen. Reihum durfte immer jeder eine Platte vorspielen. Dazu gab’s Kräuter und Bier. Und jede Menge Nerd-Talk. Als Achim die »Incence & Peppermints«-LP (UNI Records / 1968) von The Strawberry Alarm Clock auflegte, bekam ich die Krise: »Scheiße, wieso habe ich die nicht entdeckt? Verdammt noch mal!« Und Achim hatte sie mir im Laden noch gezeigt, nur war ich in diesem Augenblick nicht daran interessiert. Doch jetzt wollte ich sie wieder und wieder hören und schließlich machte ich Achim ein Angebot über den doppelten Kaufpreis. Natürlich sagte er Nein. Ich ging höher, er wurde erst stutzig, um sich dann letztendlich wieder für ein Nein zu entscheiden. Ich versuchte ihn mit fadenscheinigen Argumenten wie »ich mag doch Psychedelic Rock viel mehr als du« zu überzeugen, was natürlich auch nicht mehr half. Wieder zu Hause in Regensburg lag ich ihm wochenlang damit in den Ohren, dass ich ihm die Scheibe abkaufen wolle. Es folgten weitere Ablehnungen in einem Tonfall, der erahnen ließ, dass ich ihm offensichtlich auf den Sack ging. Ungefähr zwei Monate nach unserem Wien-Trip gab ich es schließlich auf und beschloss, mal wieder in unseren Regensburger Stammplattenladen zu gehen. Nichtsahnend durchkämmte ich die Regale und fand: Strawberry Alarm Clock. »Incence & Peppermints«. LP. Originalpressung. Da stand sie. Ein kleines Schild ließ den lächerlichen Preis von 5 Euro verlauten. Ha! Wer zuletzt lacht! Natürlich musste ich Achim sofort von meinem Triumph berichten. So sehen Sieger aus. Aber leider sehen so auch Lügner aus. Der letzte Teil meiner Geschichte ist nämlich leider frei erfunden und nur ein Wunschtraum meinerseits gewesen. Die Wahrheit ist: Ich habe die Platte für nen Arsch voll Geld von einem Second Hand-Händler aus Kanada importieren müssen. Glücklich war ich trotzdem.

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